Neue Wege zur nachhaltigen Wärmeversorgung
Die Stadt Friedrichstadt hat zum Ziel, ihren Bürgerinnen und Bürgern eine umweltfreundliche, lokale Wärmeversorgung zu ermöglichen und damit gleichzeitig die Umwelt zu schützen und den CO2-Ausstoß zu verringern. Die Umstellung auf erneuerbare Wärmequellen ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und den damit verbundenen globalen Marktschwankungen. Ein vielversprechender Ansatz war die Einführung eines kommunalen Nahwärmenetzes, dessen Planung das regionale Unternehmen GP JOULE aus eigenen Mitteln finanzierte. Im Rahmen dieses Prozesses wurden erfolgversprechende Konzepte geprüft und Erzeugungsoptionen evaluiert. Zudem wurde eine Interessentenabfrage durchgeführt, um den Zustand der lokalen Heizungsanlagen, den Wärmeverbrauch der Haushalte und die Verteilung der Haushalte mit Interesse an einer nachhaltigen Wärmeversorgung zu ermitteln.
Herausforderungen und Ergebnis der Projektentwicklung
Die einzigartige Struktur von Friedrichstadt mit seinen Grachten, dem charakteristischen Kopfsteinpflaster und den zahlreichen historischen Gebäuden stellten dabei spezifische Anforderungen, die einer sorgfältigen Prüfung bedurften. In dem Bestreben, den Kampf gegen den Klimawandel auf regionaler Ebene zu intensivieren, setzt das Unternehmen GP JOULE bei seinen Projekten auf klare Leitlinien: Die Wärmewende muss lokal umgesetzt werden, damit die Bürgerinnen und Bürger unmittelbar davon profitieren können. Die Vision des Unternehmens ist es, nicht nur nachhaltige Energiequellen zu fördern, sondern auch den Menschen vor Ort spürbare Vorteile zu bieten und die Region zu stärken. Attraktive Anschlusspreise sind zudem unabdinglich für eine ausreichende Teilnahme und somit für die wirtschaftliche Umsetzbarkeit eines jeden Nahwärmenetzes. Bei der Bewertung der Umsetzbarkeit eines Nahwärmenetzes wurden mehrere Faktoren berücksichtigt. Die hohe Bodendichte erfordert den Abtransport des ausgehobenen Bodens beim Verlegen der Rohre, was erheblichen Mehraufwand darstellt. Auch der hohe Grundwasserstand, der eine umfangreiche und kostenintensive Wasserhaltung bedarf, floss in die Gesamtbetrachtung mit ein. Das Kopfsteinpflaster sowie zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude, welche speziell die Altstadt auszeichnet und Sondergenehmigungen erfordern, bedeuten zusätzlich unkalkulierbare Risiken. Die Ergebnisse der Interessentenabfrage zeigten zudem, dass das Interesse an einem Nahwärmenetzanschluss in der Altstadt besonders hoch ist, während es im östlichen Teil der Stadt eher zurückhaltend ausfällt. Der nächstmögliche geeignete Standort für die Heizzentrale im Osten der Stadt würde die Verlegung von mehreren hundert Metern Wärmenetzleitungen bis hin zur Altstadt erfordern.
Fazit
Die Zusammenführung der genannten Herausforderungen resultiert schlussendlich in einem unüberschaubaren Kostenaufwand, welcher keine wettbewerbsfähigen und somit vertretbaren Anschlusspreise für die Bürgerinnen und Bürger ermöglichen würde. Die umfassende Prüfung und Evaluierung der verschiedenen Einflussfaktoren führt daher leider dazu, dass von der Umsetzung des geplanten Nahwärmenetzes abgesehen wird.
Ausblick
So ist zwar die ursprüngliche Idee eines Nahwärmenetzes für Friedrichstadt nicht realisierbar, durch die engagierte Projektentwicklung und die intensive Kooperation mit GP JOULE hat die Stadt jedoch wesentliche Erkenntnisse gewinnen können. Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen war sehr wertvoll, da durch Expertise und konstruktivem Ansatz erheblich zur fundierten Analyse der Situation beigetragen wurde.
Auf Grundlage der gewonnen Informationen plant die Stadt nun, neue Initiativen und Ansätze zur zukunftsfähigen Energieversorgung zu ergreifen und ist fest entschlossen, neue Wege zu erkunden, um alternative Möglichkeiten für die Zukunft des Heizens für Friedrichstadt zu identifizieren. Diese werden allerdings nur mit finanzieller Unterstützung durch Land und Bund umsetzbar sein.